Thema: „Stillleben – wirklich unbewegte Natur?“
Stillleben sind, wie die wörtliche Übersetzung des ursprünglichen niederländischen Fachbegriffs „stil leven“ lautet, unbewegt und sind eine kunstvolle Anordnung unbewegter Gegenstände. Für jemanden, der sich mit der Malkunst nicht so auskennt, gibt es daran wohl keine Zweifel.
Dies traf sicher auch auf die meisten der 36 Ruheständlerinnen und Ruheständler zu, die sich am 11.02.2026 in zwei Gruppen für die Führungen von Frau Will zu diesem Thema interessierten.
Beginnend in der Altdeutschen Abteilung mit dem Eschacher Altar von B. Zeitblom bis hin zur Neuen Sachlichkeit (Stillleben mit Gitarre von Alexander Kanoldt von 1926) beschrieb Frau Will die Symbolik und Bedeutung der Stillleben aus verschiedenen Epochen an einigen Gemälden aus der Ausstellung der Staatsgalerie.
Typische Motive der Stillleben sind z. B. Blumen, Gläser, Bücher, Früchte, also alles Gegenstände, die im Alltag vorkommen und teilweise eine tiefere symbolische Bedeutung beinhalten. Bei den Führungen erfuhren die Teilnehmenden, dass es eine komplexe Frage ist, ob Stillleben wirklich unbewegt sind, da sie oft durch Symbolik, Licht und Anordnung der Motive Dynamik erzeugen. Spätestens nach den Erläuterungen von Frau Will war allen klar, dass das Stillleben in der Malerei durchaus Bewegung bedeuten kann. Viele Stillleben symbolisieren z. B. mit welkenden Blumen, Sanduhren, schmelzenden Kerzen, verschimmeltem Käse, verfaulendem Obst oder mit der Darstellung eines Schachspiels (Schach braucht Zeit- siehe Juan Gris „Das Schachbrett“ von 1914) einen Prozess, also eine Bewegung im übertragenen Sinne und weisen auf Vergänglichkeit und auf ständigen Wandel (Zeitablauf) sowie auf die Kürze des Lebens, Verfall und schließlich den Tod hin.
Weiterhin erläuterte Frau Will die tiefere Symbolik der dargestellten Objekte, die oftmals einen christlichen Hintergrund haben. So z. B. sind Wein und Brot ein Symbol für die Eucharistie, Walnüsse sind ein Christus-Symbol, wobei die Nussschale auf das Holz des Kreuzes hindeutet, rote Kirschen stehen für vergossenes Blut und die Libelle ist oft ein Symbol für das Böse bzw. für den Teufel (siehe „Stillleben mit Käse und Kirschen“ von Georg Flegel von 1635). Maiglöckchen gelten als Symbol u. a. für die Mutterschaft, Keuschheit und Reinheit (siehe „Die Verkündigung an Maria“ am Eschacher Altar von Bartholomäus Zeitblom von 1496). Die Schwertlilie ist ein weiteres christliches Symbol und steht für die wahre Fleischwerdung Jesu.
Weitere Stillleben, die Frau im Rahmen der Führungen besprochen hat, sind „Stillleben mit Blumen und Esswaren“ von Georg Flegel von 1630, „Stillleben mit Nautiluspokal und Hummer“ von Jan Davidsz. de Heem von1634, „Trompe I’Oeil“ von Hieronymus Hastner von 1710/15, „Päonien“ von Auguste Renoir von 1878 und „Das Gewächshaus“ von Auguste Renoir von 1876.
Die umfassenden Erläuterungen und Informationen von Frau Will sorgten wieder für Begeisterung bei den Teilnehmenden mit der Gewissheit, mal wieder sehr viel dazugelernt zu haben.
Deshalb ein großes Dankeschön an Frau Will, die uns an Ihrem umfangreichen Fachwissen hat teilhaben lassen.










