Besuch der Kaffeemanufaktur Bean Market und des Nagelmuseums in Löchgau

Vom Hufnagel bis zum Direct Trade-Kaffee: Eine außergewöhnliche Exkursion führte 23 Ruheständler und Ruheständlerinnen des Regionalverbands Stuttgart am 15. Juli 2026 nach Löchgau.

Es ist von Löchgau bekannt, dass einige gute Fußballspieler aus diesem Ort stammen. Julian Schuster zum Beispiel, ehemaliger Spieler und aktueller Trainer des SC Freiburg und sein Cousin Benedikt Röcker, ehemals VfB Stuttgart, Greuther Fürth und Brøndby IF, DK.

Aber wenigen ist bekannt, dass es in Löchgau mindesten zwei Einrichtungen gibt, die sehr interessant sind und somit auch für den Regionalverband Stuttgart als Teil unseres Veranstaltungsprogramms in Frage kamen.

Ein Nagelmuseum, das aus der ehemaligen Nagelfabrik Röcker entstand und eine noch junge Kaffeerösterei, waren die Ziele unserer Veranstaltung.

Das seit 1998 bestehende Nagelmuseum, ein historisches Erbe der Nagelfabrik, wurde einige Jahre nach Produktionsstopp der Firma Röcker eingerichtet. Das Unternehmen, das von 1876 bis 1974 fast 100 Jahre die Wirtschaftsgeschichte der Gemeinde Löchgau prägte, vermachte seine riesige Mustersammlung der Gemeinde.

Über 4500 verschiedene Nagelarten bildeten den Grundstock für das Nagelmuseum. Neben den Nagelexponaten zeigt es auch originale Maschinen aus der alten Fabrik.

Frau Gisela Happold, welche mit dem Arbeitskreis Dorfbild Löchgau e.V. an der Entstehung des Museums wesentlich beteiligt war, führte die Teilnehmenden mit viel Wissen und Herzblut durch die umfangreiche Nagelsammlung mit Nägeln aus dem In- und Ausland.

Mit vielen Daten, Infos und Bildmaterialien erfuhren die Seniorinnen und Senioren fast alles zur Geschichte des Nagels allgemein, zu Nagelkuriositäten, sogar zu Nagelplastiken und zu den vielen Nagelsorten.

Von Erbsnägeln, Fassnagelstiften, Elektrikernägeln, Galoschenstiften, Sohlennägeln, Stiefeleisennägeln, Tapeziernägeln, Zweispitzflügelnägeln über Huf- und Nietnägel bis zum Notnagel wusste Frau Happold zu berichten. Außerdem zeigt die Ausstellung z.B. eine Nagelplatte mit den kleinsten Aquarellen der Welt (Guinessbuch der Rekorde) bemalten Nagelköpfen von Wahrzeichen der Städte Köln, Berlin, Paris und Moskau. Es gibt offenbar keine Nägel, die es nicht gibt!

Den bekannten Begriff „Notnagel“ erklärt Frau Happold so: In der Beiltasche der Feuerwehrleute befindet außer dem Beil noch ein besonders gesicherter Notnagel zur Sicherung des Rückzuges mit einem Seil aus einem verrauchten Haus.

Abschließend noch ein Kuriosum: Eine senkrechte Nagelplatte, mit der mittels einer Metallkugel Töne, sprich Musik, erzeugt werden kann.

Eine Fülle von Informationen über Nägel, die auch Frau Happold trotz ihrer sehr engagierten Art in dieser kurzen Zeit nicht ganz in unsere Köpfe einhämmern konnte.

Aber wir haben sehr viel mitgenommen, dank ihrer fachkompetenten und interessanten Führung, für die sich unser Vorsitzender Herr Schneider herzlichst bedankte.

Nach etwa 1,5 Stunden Führung, gespickt mit den vielen Informationen, ging es weiter zu Fuß zur nahegelegenen kleinen aber feinen Kaffeemanufaktur „Bean Market“ von Kaffeemeister Zdravko Slemensek, welcher gut vorbereitet mit Tischen und Bänken vor der Rösterei, einem Kaffee-Ausschankwagen und nicht zu vergessen unter hervorragender musikalischer Begleitung des Saxophonisten Thomas Zeller seine Gäste begrüßte.

In zwei Gruppen aufgeteilt bekamen die Teilnehmenden Einblicke in die Geheimnisse der handwerklichen Kaffeeröstung mittels einer Röstapparatur, die Zdravko Slemensek bemerkenswerter Weise zum großen Teil selbst hergestellt hat.

Die Kaffebohnen, die, wie wir erfahren haben, botanisch gesehen die Kerne der Kaffeekirschen sind, bezieht die Kaffeemanufaktur direkt von den Erzeugern bzw. von kleinen Genossenschaften. Grundlage hierfür sind langfristige Verträge mit festen und fairen Preisen, die in der Regel über den an den Kaffeebörsen gezahlten Preisen liegen.
Der Endkunde erhält somit ein fair gehandeltes Produkt, mit den Einnahmen werden darüber hinaus die Infrastrukturen der Herkunftsländer gefördert, Schulen gebaut und ein nachhaltiger Kaffeeanbau unterstützt.

Insbesondere bezieht die Manufaktur ihren Rohkaffee (grüne Kaffeebohnen) von Plantagen aus Südamerika (z.B. Honduras, Brasilien, Bolivien), Vietnam, Indien oder Afrika (z.B. Rwanda). Dort werden die Bohnen entsprechend fermentiert, entweder gewaschen (Fruchtfleisch wird entfernt) oder mit dem Fruchtfleisch in der Sonne getrocknet. Hochwertige Kaffees werden dabei eher in überdachten Lagern getrocknet, um Umgebungseinflüsse zu minimieren. Bei Trocknung im Freien kann es laut Hr. Slemensek durchaus vorkommen, dass Tiere wie Katzen, Hunde oder Pferde schon mal darüber laufen und ihre Exkremente hinterlassen.

Verwendet werden hauptsächlich Kaffeesorten Arabica, Canephora und Liberica.

Beim Herstellungsprozess in der Manufaktur wird besonderer Wert auf eine schonende Röstung bei relativ niedriger Temperatur bis max. 220 °C und Röstdauern bis 25 Minuten gelegt. Bei industriell hergestellten Kaffeesorten betragen die Temperaturen schon mal bis 650 °C mit deutlich kürzeren Röstzeiten.

Für jede Kaffeevariation wird der Röstprozess speziell abgestimmt und vom Röstmeister genauestens mittels regelmäßiger Probenziehung überwacht. Er kann also jederzeit die Qualität kontrollieren und ggf. eingreifen oder Änderungen im Prozess vornehmen.

In einer interessanten Videopräsentation untermauerte Herr Slemensek seine Erläuterungen.

Parallel zu der Besichtigung der Rösterei durften die Teilnehmenden sieben verschiedene Kaffeesortensorten beim sogenannten „Cupping“ verkosten. Dabei wird bei den verschiedenen Kaffees bei bestimmtem Mahlgrad das Aroma trocken geprüft (Geruchstest) und anschließend nach einem Protokoll absolut identisch aufgebrüht (Menge Pulver, Temperatur, Ziehzeit). Der Kaffee wird dann mit einem speziellen Löffel (Cupping-Löffel) geschlürft um viel Sauerstoff für die Aromenentwicklung einzubeziehen, damit die Aromen sich entsprechend entfalten können.

Es war erstaunlich, wie viele verschiedene Aromen sogar wir Laien entdecken konnten.

Abschließend ist besonders hervorzuheben, dass Zdravko Slemensek sich neben seiner Tätigkeit als Kaffeeröster für ein Hilfsprojekt in Honduras einsetzt.

Das Projekt wird zusammen mit 15 weiteren Kaffeeröstern unter der Leitung von Stephanie Rigano in Remscheid über den Verein Aktion Kinderpläne e. V. unterstützt.

Sämtliche Einnahmen bzw. Spenden unserer Veranstaltung kommen diesem Hilfsprojekt zugute. So konnte ein Betrag von 340 Euro für das Projekt gesammelt werden.

Von uns ein ganz besonderer Dank an Zdravko Slemensek für die interessante Führung. Wir haben in Sachen Kaffee doch sehr viel dazu gelernt!