„Alt-Stuttgarter Geschichten“ –eine Reise in längst vergangene Stuttgarter Zeiten mit Bernhard Leibelt

Lang ist es her, als in Stuttgart noch Pferdekutschen fuhren und Sonntagspaziergänger bestangezogen mit Hut und Spazierstock, die Damen mit langen Kleidern, Hut und Schirm am Alten Schloss und am Schlossplatz flanierten um zu sehen und gesehen zu werden. Es waren Zeiten, in denen der Sonntag noch wichtig war und niemand sich, wie teilweise heutzutage, mit Schlamperkleidung auf die Straße wagte.

Viele schön gestaltete Postkarten aus jener Zeit bildeten die Grundlage zu dem Vortrag von Herrn Bernhard Leibelt am 13.05.2026 im Kolpinghaus Stuttgart-Zentral, der es verstand, sein Publikum, nämlich 50 Ruheständlerinnen und Ruheständler des Regionalverbands Stuttgart und der Kolpingfamilie Stuttgart, mit seinen Ausführungen und Anekdoten zu fesseln und dem damaligen Zeitgeschehen näher zu bringen.

Bereits im 17. Jahrhundert gab es mit einem Kupferstich von Merian eine schwarz-weiße Postkarte mit Altem Schloss, dem fürstlichen Lustgarten und der ersten Orangerie Deutschlands.

Wie man auf den ersten Postkarten (damals zunächst in schwarz-weiß) sehen konnte, durften diese nur auf der Vorderseite beschrieben werden, die Rückseite war ausschließlich für die Anschrift vorgesehen. Auch die damalige Handschrift auf den Postkarten erinnerte uns daran, dass die Sütterlin- oder Altdeutsche Schrift damals üblich und für uns kaum entzifferbar war.

Herr Leibelt ließ uns anhand der später auch farbigen Postkarten an früheren Zeiten teilhaben, in denen wichtige Gebäude eine große Rolle spielten.

Beispiele sind das Residenzschloss mit dem Anlagensee, das Alte Schloss, das 1931 einem Brand zum Opfer fiel mit Schlossplatz und Musikpavillon, wo sonntags immer Konzerte stattfanden, das alte Königliche Hoftheater (eines der wichtigsten Bauwerke der deutschen Spätrenaissance) einschließlich des Großbrands im Jahr 1902, der 1855 erbaute Königsbau (mit erstem Kaufhaus und einem Café) mit der Königstraße, Karten mit den Stuttgarter Bahnhöfen und dem damaligen Hauptbahnhof in der Bolzstraße, dem landwirtschaftlichen Hauptfest, dem Königstor von 1810 am unteren Ende der Königstraße, Alt-Cannstatt mit der Alhambra und späteren Wilhelma sowie eine Postkarte vom Cannstatter Volksfest u.a. mit dem handschriftlichen Vermerk: “Blutwurst mit Sauerkraut. Davon sind wir sehr erbaut. Bier trinken tun wir auch. Bis uns voll der Bauch“.

Hervorzuheben ist auch das neugotische Rathaus an einem der damals schönsten Marktplätze Deutschlands.

Herr Leibelt gab eine lustige Anekdote aus dem 1898 erbauten Königin-Olga-Bau zum Besten, wo sich außer verschiedenen Läden auch ein elegantes Café befand, in dem Offiziere und die vornehme Gesellschaft verkehrten. Hier gab es vor dem 1. Weltkrieg angeblich einen großen Skandal, als König Wilhelm II. einmal das Café besuchen wollte. Eine Tänzerin tanzte splitternackt vor den anwesenden Offizieren. Daraufhin ließ der König das ganze Regiment nach Ulm strafversetzen.

Nicht zu vergessen sei auch der Friedrichsbau, in dessen Varieté die weltbekannte Josefine Baker in den 1920er Jahren ein Gastspiel gab, der Zoologische Garten von Johannes Nill mit der Löwenbändigerin Claire Heliot und die königliche Hofkammersängerin Anna Sutter, die im Jahr 1910 von ihrem Liebhaber ermordet wurde.

Unser Vorsitzender Herr Schneider beendete den wieder einmal interessanten Nachmittag mit einem Präsent und mit einem herzlichen Dankschön an Herrn Leibelt für seinen kurzweiligen, humorvollen und informativen Vortrag.

Es war sicher nicht sein letzter in unserer Seniorenrunde.