Oberdischingen mit dem Maefizmuseum, ein kleines, von einem Verein mit ehrenamtlichen Mitarbeitern betreutes Heimatmuseum und die Kirche zum Heiligen Namen Jesu waren Ziel des letzten Treffens des Seniorenverbandes Ehingen am 25.8.2026.
Die Führung durch Werner Kreitmeier, der schon durch seinen letztjährigen Vortrag über den Malefizschenk das Interesse der Teilnehmer geweckt hatte, erwies sich als ausgesprochen interessante und eindrucksvolle Reise in eine Zeit, in der Rechtsprechung, Strafe und öffentliche Ordnung noch ganz anders funktionierten als heute.
Schon der Name „Malefiz“ klingt ein wenig geheimnisvoll – und tatsächlich verbirgt sich dahinter nichts Harmloses. „Malefiz“ bezeichnete früher ein Verbrechen oder eine schwere Straftat. Ein „Malefikant“ (lat. „Schlecht-Tuer“) war also jemand, der mit dem Gesetz in Konflikt geraten war.
Besonders eindrucksvoll war zu sehen, mit welchen Vorstellungen von Schuld und Strafe die Menschen früher lebten.
Werner Kreitmeier hatte zu allen Ausstellungsstücken interessante Hintergrundinformationen: z.B. einer Marktszene, gemalt 1836 von Johann Georg Sauter, einem in Saulgau geborenen Maler, der unter anderem an der Wiener Akademie studierte, die zeigt, wie Diebinnen aktiv waren, einer Gefängniszelle mit der Geschichte der Schwarzen Lies, einem Meisterbrief des Scharfrichters, der in Oberdischingen sein „Meisterstück“ ablegte, den Begriffen der Gaunersprache (Rotwelsch), dem Scharfrichterwesen mit Galgen, Leiter und Richtschwert, einer Diebsliste mit 1487 Namen, einer schmiedeeisernen Uhr von 1767, die die letzten Stunden der Delinquenten anzeigte und einer Rekonstruktion des ehemaligen Oberdischinger Schlosses, das 1807 abbrannte.
Im Mittelpunkt stand außerdem die Lebensgeschichte von Franz Ludwig Schenk von Castell, der als „Malefizschenk“ oder auch „Henkersgraf“. in die Geschichte einging. Der Besuch des Malefiz-Museums war für die Teilnehmer eine ungewöhnliche und zugleich äußerst interessante Zeitreise. Nach dem Museumsbesuch führte Werner Kreitmeier die Gruppe in die Pfarrkirche „Zum Heiligsten Namen Jesu“, dem sogenannten „Schwäbischen Pantheon“,
Die Kirche ist architektonisch etwas ganz Besonderes. Sie wurde als Zentralbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtet und besitzt eine Kuppel. Ihr klassizistischer Aufbau orientiert sich am Pantheon in Rom – daher der Beiname „Schwäbisches Pantheon“. Werner Kreitmeier schilderte die Baugeschichte der Kirche von 1800 bis zur endgültigen Vollendung 1832 und dem später (1892/1893) hinzugefügten barockisierten Turm.
Besonders sehenswert im Inneren ist ein gotisches Steinrelief von 1501, das die Passion, Auferstehung und Himmelfahrt Christi darstellt. Es wird dem „Meister Anton“ aus dem Umfeld der Ulmer Syrlin-Schule zugeschrieben. Der Altar besteht aus schwäbischem Albgestein und greift mit einer großen Dornenkrone nochmals das Passionsmotiv des mittelalterlichen Reliefs auf. Die Kirche ist ein kleines Geschichtsbuch aus Stein: Ihre Architektur erzählt vom Klassizismus um 1800, das gotische Relief erinnert an das Mittelalter und der moderne Altar führt bis ins 20. Jahrhundert.
Werner Kreitmeier, bei dem sich Uschi Mittag für die interessante Führung mit einem kleinen Geschenk bedankte, begleitete die Teilnehmer zum Abschluss des Nachmittages in das nahe Cafè “klein und fein“.

