Von Klostermauern, frühmittelalterlichem Leben und vergangenen Kulturtechniken

Der Ausflug startete am 18. Juni 2026 gegen 10 Uhr bei hochsommerlichen Temperaturen. Zehn Verbandsmitglieder – unter ihnen die Vorsitzende Hannelore Henneberg und Kassenwartin Ilse Weber-Schumann – sowie Gäste und Mitglieder, die an den regelmäßigen Versammlungen im Bürgerhaus Neckarstadt nicht oder nur selten teilnehmen bzw. teilnehmen können, versammelten sich vor dem Eingang zum Besucherzentrum des Freilichtlabors Lauresham und waren mit Sonnenbrillen, Sonnenhüten, Sonnenschirm und Getränken bestens für den Tag gerüstet.

Eine Museumspädagogin der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen begrüßte die Gruppe und führte ca. zwei Stunden durch die Eins-zu-Eins-Nachbildung eines karolingischen Hofgutes aus der Zeit Karls d. Großen. Dieses bestand in der Regel aus großen Ost- und Gemüsegärten, Schaf-, Schweine- und Rinderweiden, Hühner- und Ziegenställen, Küche, Vorratshaus, Backhaus, Fischerhütte, Scheune, Webhaus, Schmiede, Herrenhaus und Kapelle, und diente sowohl der Hofhaltung, als auch der lebensnotwendigen ganzjährigen Versorgung der dort lebenden und arbeitenden Menschen. Das s.g. Grubenhaus mit tief heruntergezogenem Dach war der charakteristische frühmittelalterliche Haustyp. Darin war es meist dunkel, bei extremer Hitze stickig und es roch – damals wie heute – nach Holz, Lehm und Stroh. Das Leben der Menschen im Frühmittelalter war – gemessen an unseren heutigen Vorstellungen – mehr als bescheiden, Ratten waren die täglichen Begleiter, Nahrung musste auch in Hungersnotzeiten das Überleben sichern und war deshalb extrem wertvoll, die Essenszubereitung war z.T. schwere Arbeit und die Anfertigung von Dingen für den täglichen Gebrauch – etwa einer Nähnadel oder eines Stoffgewebes – mitunter unvorstellbar mühsam und langwierig. Der Rundgang durch das Hofgut war deshalb zugleich auch eine Zeitreise durch frühmittelalterliche Handwerks- bzw. Kulturtechniken, die sich in der Küche, im s.g. Knochenschnitzerhaus oder im Webhaus besonders gut veranschaulichen lassen.

Nach der verdienten Mittagspause im Back- und Brauhaus Drayß ging es gestärkt weiter zum Kloster Lorsch, der ehemals beeindruckenden Abtei, die 774 im Beisein von Kaiser Karl d. Großen eingeweiht, 1556 aufgehoben und deren wenige letzte bauliche Überlieferungen 1991 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurden. Wie im Freilichtlabor Lauresham, wurde die Gruppe auch dort von einer Wissenschaftlerin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen empfangen. Sie führte zunächst durch das Klostermuseum mit der Dauerausstellung von Originalen und Repliken, von dort aus weiter zum weiträumigen ehemaligen Klostergelände mit dem schon von Weitem sichtbaren gewaltigen Kirchenfragment, zur s.g. Königshalle und in die s.g. Zehntscheune, die im 16. Jahrhundert auf dem nach Aufhebung des Klosters landwirtschaftlich genutzten Gelände erbaut wurde und aktuell Aufbewahrungs- bzw. Ausstellungssort diverser archäölogischer Fundstücke sowie von Dokumenten aus dem Klosterarchiv ist.

Die ca. zweieinhalbstündige Führung endete gegen 17 Uhr, einige TeilnehmerInnen suchten noch etwas Abkühlung im nahe gelegenen Klostercafé, einige zog es direkt wieder in ihre Wohnorte nach Mannheim, Ketsch oder Brühl. Bevor sich alle vor der ehemaligen Zehntscheune in die lange Sommerpause verabschiedeten, gab es Applaus für die Wissenschaftlerin, die mit hervorragender Fachkenntnis unvergessliche Einblicke in die Geschichte vom Kloster Lorsch vermittelte. Dank ging auch an Ilse Weber-Schumann für die perfekte Vorbereitung und Organisation der Veranstaltung.

Text und Bild: Ingeborg Riegl